Geschichte des ASV

100 Jahre ASV – Vom 1. bis 6. Juli 2008 feierte der Akademische
Seglerverein zu Greifswald e.V. sein 100 jähriges Bestehen. Die
Festschrift mit allerlei spannenden Geschichten kann unter Festschrift
100Jahre (pdf) angesehen werden.

Wie es zur Gründung des ASV in Greifswald kam:

Professor Dr. med. habil. em. Ernst Scheibe

1902 Gründung eines Segelclubs an der Universität, offensichtlich im
Zusammenhang mit tödlichen Segelunfällen.
Die (gedruckte ) Satzung dieses Clubs befindet sich in den Rektoratsakten.

1908 In den Akten des Kurators ist vermerkt, daß dieser Segelclub sich im
Jahr 1902 „aufgetan und hat sich im selben Jahr wegen zu geringer
Beteiligung und da staatliche Beihilfe nicht gewährt wurde,
stillschweigend wieder aufgelöst“.

25.05.1908 Antrag von Prof. VAHLEN an Rektor auf Gründung eines
Akademischen Segler-vereins in Greifswald, Brief des ASV Danzig-Langefuhr
(TH), unterschrieben von Herrn Willi Dau an den Rektor, in welchem
Einzelheiten zu Zielen, Arbeitsweise und Finanzierung eines ASV
aufgeführt werden und die Gründung eines ASV an der Universität
Greifswald nachhaltig begrüßt wird.

26.05.1908 Schreiben des Akademischen Rudervereins an der Universität
Kiel, in welchem zunächst mitgeteilt wird, dass dort kein akademischer
Seglerverein besteht, je-doch die Gründung eines solchen Vereins in
Greifswald befürwortet und begrüßt wird.

02.06.1908 Schreiben des Akademischen Seglerverein’s München (TH),
unterzeichnet von Herrn B. HINTZ (?), mit ähnlichem Inhalt wie das aus
Danzig vom 25.05.1908.

03.06.1908 Schreiben des Akademischen Seglerverein’s Charlottenburg (TH),
unterschrieben von Herrn Walter KRÜGER, mit ähnlichem Inhalt wie das
Schreiben aus Danzig.

Zur Zeit der Gründung des ASV zu Greifswald bestehenden Akademischen
Seglervereine, welche um eine Stellungnahme gebeten worden sind (und
diese auch abgegeben haben ), befanden sich an einer Technischen
Hochschule. Falls die ASV`s vollzählig erfaßt worden sind, so wäre der
ASV zu Greifswald der erste, welcher an einer Universität gegründet
worden ist. (Im Jahresbericht 1912/13 des ASV bestätigt, siehe auch „Zur
Geschichte des ASV…“ von Dr. F. Schrade)

30.06.1908 Vorlage an die Mitglieder des Akademischen Senats-Bitte um
Stellungnahme zu Satzung und Finanzierung-unterschiedliche Ansichten über
aufzunehmende Mitglieder (insbes. von Universitätsfremden).

23.07.1908 ASV Charlottenburg äußert sich zu diesem Punkt.

29.07.1908 Rektor und Senat erörtern die Frage, ob Nichtakademiker in den
ASV aufgenommen werden können und wenden sich deshalb an den zuständigen
Minister.

31.07.1908 Rektor (handschriftlich): „ich habe gegen die Genehmigung der
Satzung nunmehr nichts einzuwenden“.

14.08.1908 Rektor und Senat begrüßen die Gründung des ASV. – Im
vorliegenden Schriftsatz wird u. a. erwähnt:
„Besonders wird der neue Verein durch seine Satzungen, wie durch die
Teilnahme erfahrener Mitglieder, die ein Schifferexamen gemacht haben,
die Garantie dafür übernehmen, daß keine größeren Segelfahrten mehr ohne
fachmännische Aufsicht unternommen werden, und wird damit hoffentlich
Unfälle verhüten, wie sie leider in den letzten Jahren hier vorgekommen
sind …“

August 1914 der ASV wird „geschlossen“

02.01.1919 ASV wieder „eröffnet“. In den Universitätsakten befindet sich
eine Druckschrift, in denen im ersten Weltkrieg gefallene und verstorbene
Mitglieder aufgeführt sind, sowie Beiträge vom Vorsitzenden, vom
Schatzmeister und vom Takelmeister.

Bootsbestand: Schoneryacht „Edith“
Kutter „Wiking“
Jolle „Gryps“

Zur Geschichte des ASV zu Greifswald von der Gründung bis 1945

Dr. Frank Schrade

Der ASV war in seinem 90jährigen Bestehen eng an die politischen Zustände
in Deutschland gebunden, und er hat, wie Deutschland auch, eine
wechselvolle Geschichte erlebt: zwei Weltkriege, die Inflation, die
Spaltung Deutschland’s und die Wiedervereinigung. Ein Teil dieser
Geschichte soll an Hand von schriftlichen Zeugnissen wie Jahresberichte,
Logbücher und ASV-Mitteilungen kurz reflektiert werden.

Zur Gründung des ASV liest man im Jahresbericht 1908/11:

„Wer den Greifswalder Bodden, die Rügenschen Gewässer kennt, den musste
es wundern, dass an der Greifswalder Universität bis zum Sommer 1908 der
Segelsport keine Heimstätte gefunden hatte …

Es war in diesem Falle also unbedingtes Erfordernis, weitere Kreise vor
allen Dingen den Lehrkörper der Universität für diese Sache zu gewinnen,
um auf der Basis gesunder Vermögensverhältnisse eine solche
Sportvereinigung zu gründen. Dieses fraglos grosse Verdienst erwarb sich
im Sommersemester 1908 Professor D. phil. Vahlen. Dass der A.S.V.z.G. ihn
als seinen Gründer bezeichnen darf, darauf ist der Verein stolz. Am 1.
Juli 1908 war er es der mit noch zwei Getreuen cand. phil Drahn und cand.
med. Putzar ( Mitglied des A. S.V. zu München ), den Akademischen
Seglerverein zu Greifswald gründeten …

Es musste allen Studierenden Greifswald’s auch incorporierten die
Möglichkeit geboten werden, den Segelsport zu pflegen und so wurde denn §
2 der Satzung wie folgt normiert:

„Der akademische Seglerverein zu Greifswald macht sich die Pflege
sportgerechten Segelns unter den Studierenden zur Aufgabe.“

Der akademische Seglerverein ist also kein Verein im Sinne einer
studentischen Corporation sondern lediglich nur eine Vereinigung von
Akademikern, die den Segelsport fördern wollen.
Am 1. Juli 1908 wird in Greifswald der A.S.V.z.G. zur Pflege
sportgerechten Segelns gegründet. Im Juli 1908 ersteht der Verein als
erstes Vereinsboot die Jolle „Gryps“.

26. Juli 1908 veranstaltet der Verein in Wieck eine Fischerbootregatta an
der sich fast alle Fischer von Wieck beteiligen. Ein Boot mit Gästen
begleitet die Regatta. Am Abend Preisverteilung bei Jacobs.

Im Frühjahr 1909 erwirbt der Verein auf der Südmolenseite in Wieck von
der Stadt Greifswald ein Grundstück von 400 qm Grösse.“

Irgendwelche Nachrichten über die Verwendung und den Verbleib dieses
Grundstücks hat der Chronist in den nachfolgenden Schriften nicht
gefunden.

Pfingsten (1909) erwirbt der Verein die Schoneryacht “ Edith „.
Von Beginn seines Bestehens an hat sich der ASV der seglerischen
Ausbildung seiner Mitglieder gewidmet:

„Januar und Februar hält der Navigationslehrer Bolwin Stralsund an jedem
Freitag Abend nautische Vorträge, in denen er nicht nur die einfache,
sondern auch die astronomische Navigation zur Darstellung bringt. Für die
ordentlichen Mitglieder waren diese Vorträge obligatorisch. Die rege
Teilnahme ausserordentlicher Mitglieder bewies, dass diese Vorträge
großes Interesse erweckten. “

Die Gründungsidee scheint sich zu bestätigen, denn im Jahresbericht
1912/13 lesen wir:

“ Wie wir schon in unserm ersten Jahrbuch betonten, stellten sich der
Entwicklung des Vereins erhebliche Schwierigkeiten entgegen. War doch der
A. S.V. zu Greifswald nicht nur der erste akademische Seglerverein an
einer deutschen Universität, er war im Gegensatz zu den akademischen
Seglervereinen an den technischen Hochschulen auch der einzige derartige
Verein ohne korporativen Charakter. Daß diese Idee der Gründer auf
fruchtbaren Boden gefallen ist, zeigt das Aufblühen des Vereins selbst,
es beweist dies aber auch die Fortpflanzung jenes Gedankens auf eine
zweite Universität am Ostseestrand. Es entstand nämlich nach wenigen
Jahren ein zweiter A. S.V. an einer deutschen Universität, in Kiel, der,
wie sein erstes Jahrbuch berichtet, nach denselben Prinzipien gegründet
ist, und sich gleichfalls sehr gut entwickelt hat. “

Früh zeigt sich auch ein weiterer Schwerpunkt im Vereinsleben, die
Regattasegelei:

“ Die drei anderen pommerschen Vereine folgten gern dem Vorschlag des
Stettiner Yachtklubs, und so konnte am 25. Februar 1912 in Stettin ein
pommerscher Regattaverband gegründet werden, der aus dem Stettiner
Yachtklub, Stettiner Seglerverein, Stralsunder Seglerverein und A. S.V.
Greifswald besteht. Wie sehr dieser Verband einem allseitig empfundenen
Bedürfnisse entspricht, zeigt schon der glänzende Verlauf der im ersten
Verbandsjahr abgehaltenen Veranstaltungen.“

In der Zeit des ersten Weltkrieges war der Verein nach der Mobilmachung
im August 1914 geschlossen worden. Am 2. Januar 1919 wurde er wieder
eröffnet. Über die schwere Zeit findet man im Jahresbericht 1919/20
zwischen den Zeilen:

“ Vor mir liegen die Jahresberichte des A. S.V. aus den Vorkriegsjahren
1908 bis 1913. Was hilft es, daß man sie immer wieder liest, um zu
vergessen, daß was hinter uns liegt …
Mit dem 1. Januar 1920 ging der G.Y.C.° in den A. S.V.über, unter
Übernahme fast sämtlicher Mitglieder. Zunächst ist vielleicht diese
Maßnahme nur aus der Not der Zeit geboren, um vereint Altes in die
Zukunft überretten zu können – wir hoffen aber doch, daß die nun einmal
hergestellte Geschlossenheit des Segelsportes in Greifswald bestehen
bleibt und feste Wurzeln schlägt.

Ferner führte diese Monatsversammlung als wichtige Neuerung eine ständige
Wache von zwei o. M.² draußen in Wieck auf unseren Booten für die Nacht
ein. Die Handhabung des Nachtdienstes übernahm Herr cand. jur. Dietze,
mit großer Energie und nie ermüdendem Eifer hat er dieses undankbare Amt
während des Sommers verwaltet …

Eine Monatsversammlung am 11. Juli wurde fast zu einem „dies arter“³ des
A. S.V. Wohl nur als eindringliche Mahnung, den Verein zu finanzieren,
stellte der Kassenwart, Herr Gahrmann die Frage eines Verkaufs unserer
„Edith“ zur Erörterung. In voller Kenntnis, daß wir dann aus der Liste
seesegelnder Vereine gestrichen würden, stellte sich aber die Versammlung
schließlich einmütig auf den Standpunkt einer völligen Ablehnung dieses
Vertrages.

° hier handelt es sich nicht um den heutigen Greifswalder Yachtclub, der
wurde 1926 gegründet
² ordentliche Mitglieder
³ schwarzer Tag

Wenn man die Tabelle über die Zusammensetzung des Vorstandes studiert,
findet man einen häufigen Wechsel beim Vorstand, besonders beim
Vorsitzenden. Darüber findet man im Jahresbericht 1921:

“ Der Beginn des Jahres ließ sich sehr unerfreulich an. Nicht nur löste
sich plötzlich der Vorstand auf, der häufige vorhergehende
Vorstandswechsel hatte auch die Beziehungen besonders zu den Auswertigen
vielfach zerrissen. Aber auch für den Einheimischen war es schwer ,
dauernd über die Inhaber von Vorstandsämtern im Laufenden zu sein. Dazu
kam, daß es dem Takelmeister nicht gelang, so wie früher die Boote
rechtzeitig segelklar zu machen.
Infolgedessen sammelten sich überall am Horizonte des A. S.V.
Frakto-Nimbus Wolken an, und es brach eines Tages bei den Älteren der
Geduldsfaden. Man beschloß, einen Vorsitzenden aus den Reihen der
ständigen ordentlichen Mitglieder zu wählen, der mit diktatorischen
Vollmachten ausgerüstet werden sollte. Gesagt, getan. Hier bin ich.“

Zu allen Schwierigkeiten traf den ASV ein schweres Unglück: Die “ Wiking
“ strandete in einem schweren Sturm am 22.10.1921 an der SW-Mole des
Ruden, die Yacht erlitt einen Totalschaden, die Besatzung konnte sich
retten.
Die Inflationszeit beutelte den ASV schwer. Dazu lesen wir im
Jahresbericht1922/23:

“ Die letztvergangenen drei Jahre stellten den A. S.V. vor manche harte
Probe und zeitweise schien seine Lebensfähigkeit ernsthaft in Frage
gestellt zu sein. Mehr als einer sah einen Ausweg nur noch in der
radikalen Umwandlung des Vereins in einen Yacht klub, d.h. eine
Vereinigung in erster Linie der Bootseigner, wobei natürlich das
akademische Leben sehr ins Hintertreffen geraten wäre und die Studenten,
die dem Verein in seiner alten und hoffentlich bleibenden Gestalt das
charakteristische Gepräge geben, eine nebensächliche Rolle gespielt
hätten. “

Auch damals schon hatte man so seine Erfahrungen mit der Teilnahme aller
Mitglieder am Vereinsleben:

“ Seit Anfang Juli 1924 ist von diesem Gesichtspunkte aus für die
ordentlichen Mitglieder die Verpflichtung zur regelmäßigen Teilnahme an
den Freitag-Abend-Versammlungen eingeführt worden, soweit nicht
schwerwiegende entschuldigende Gründe dagegen vorliegen, die dem
ständigen Vorsitzenden vorher mitgeteilt werden müssen.
Für die Durchführung dieser Maßregel sorgen Geldstrafen und bei
wiederholten Verstößen Ausschluß aus dem Verein. Trotz der kurzen
Wirkungszeit der Neuerung zeigt sich schon ein unverkennbarer Erfolg,
indem diejenigen Mitglieder, die nur gesellschaftliche oder ähnliche
Beweggründe zum Verein geführt haben und die für den sportlichen Betrieb
nur hindernder Ballast sind, mehr und mehr durch freiwilligen, teils
durch unfreiwilligen Austritt verschwinden, und sich der Stamm der
eigentlichen Segler herauskristallisiert.“

Allmählich stabilisiert sich das Vereinsleben wieder.

“ Einige Wochen nach seiner Gründung hatte im Jahre 1908 der A. S.V. als
erste Veranstaltung, mit der er an die Öffentlichkeit trat, eine
Wettfahrt für die Wiecker Fischer veranstaltet. Diesen für das
gegenseitige Verständnis sehr förderlichen Brauch nahmen wir 1924 wieder
auf und am 7. September konnten die Fischerboote fast vollzählig ihre
Regattabahn auf der Dänischen Wieck absegeln. Die Preisverteilung
vereinte abends ganz Wieck mit dem A.S.V.bei Gentzen zum Tanz.“

Diese Regatten sind bis 1937 belegt.

Die Zeit des Nationalsozialismus hatte auch seine Auswirkungen auf den
ASV. Der ASV wurde Mitglied im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen.
Verbunden war damit eine Satzungsänderung vom 12. April 1935:

“ § 2 Der Verein bezweckt die leibliche und seelische Erziehung seiner
Mitglieder im Geiste des Nationalsozialistischen Volksstaates durch die
planmäßige Pflege der Leibesübungen, insbesondere des Seesegelns der
akademischen Jugend sowie den Gedanken deutscher Seegeltung zu pflegen.

§ 4 Alle Mitglieder sind verpflichtet, der Satzung und den Anordnungen
des Vereinsführers nachzukommen …
Ordentliche Mitglieder: Die ordentliche Mitgliedschaft können nur an der
Universität Greifswald immatrikulierte Studenten arischer Abstammung
erwerben.

§ 7 …Die Befugnis zur Ausschließung einer Mitgliedschaft steht auch dem
Reichssportführer und im Wege eines durch die Geschäftsordnung zu
regelnden Verfahrens den Fachämtern zu.“

Die politischen Veränderungen hatten einschneidende Einflüsse auf das
Vereinsleben. Dazu lesen wir in der Festschrift 30 Jahre ASV:

“ Zunächst hatte die Umorganisation der Hochschulen und des studentischen
Vereinswesens, dazu die Einziehung aller jungen Leute durch Arbeitsdienst
und Militär geradezu katastrophale Folgen für den A. S.V. In den Jahren
1933 bis 1936 blieb er fast ohne studentischen Nachwuchs.
Eine beträchtliche Menge älterer Mitglieder trat aus, die Gesamtzahl ging
von 254 1932 auf 232 1938 zurück. Im Laufe der Jahre trat ein immer
fühlbarerer Mangel an Führern ein. Vor allem fehlt es noch jetzt an
studentischen Schiffern und Steuerleuten. Es ist klar, daß unter diesen
Umständen die Ausdehnung des Segelbetriebes, wie sie 1931 und 1932
bestand, nicht gehalten werden konnte. Von 1933 bis 1936 sank die Zahl
der Fahrten von 540 auf 370, die Seemeilen von 9341 auf 6896.“

Für die „Edith“ kam trotz der Schwierigkeiten die Zeit der großen Reisen.
Dazu finden wir im Bericht des Takelmeisters 1938:

„1936: zu Pfingsten unternahm „Edith“unter Führung von Braß ihren großen
Törn nach der Nordsee und England und trug damit zum ersten Male in der
Geschichte des ASV den Rennstander auch über die Nordsee. Sie fand dort
nicht nur die Stätte wieder, wo sie in der Jugendblüte ihrer Jahre
gesegelt wurde, sondern auch den Kapitän, der sie auf ihrer ersten
Regatta auf der Unterweser gesegelt hatte. Über die Fahrt nach Helgoland,
nach Burnham, die Tage in England, die Rückfahrt an der holländischen
Küste entlang ist andernorts genug berichtet.

1937: Am 30. Mai startete die „Edith“ unter Führung des Takelmeisters zu
ihrer großen Fahrt um die Nordsee. Damit fand ein alter ASV er-Traum, der
schon 1914 vorbereitet, durch den ausbrechenden Weltkrieg aber verhindert
worden war, seine endliche Erfüllung. War damals das Ziel Edinburg
gesteckt, so führte die diesjährige Fahrt, über die an anderer Stelle
berichtet worden ist, bis auf die Shetlands-Inseln und dann quer über die
Nordsee nach Norwegen. Am 27. Juni lief die „Edith“ programmgemäß wieder
in den Heimathafen ein, nachdem 1800 Meilen zurückgelegt waren.“

Der Ausbruch des zeiten Weltkrieges hatte verheerende Wirkung auf das
Vereinsleben (A. S.V.-Mitteilung 62, November 1939):

“ Die Notwendigkeit der raschen und sicheren Bergung unserer guten Ernte
forderte den vorzeitigen Semesterschluß am 15. Juli und den sofortigen
Einsatz aller Studenten zur Erntehilfe. Mit einem Schlag waren alle
ordentlichen Mitglieder weg, und der Segelbetrieb schrumpfte auf ein
Minimum zusammen. Jetzt zeigte sich, daß der A. S.V. eben kein Eignerklub
ist, sondern gebunden ist an die Universität mit ihren Studenten …

Die weitere Entwicklung der politischen Verhältnisse, der Ausbruch des
Krieges bereitete dem Segelbetrieb ein Ende, zumal der Greifswalder
Bodden für private Fahrzeuge gesperrt wurde. Da wir mit der Möglichkeit
rechneten, daß unser Bootsmann Nachbar auch eingezogen werden konnte, und
da die Boote beim tatenlosen Liegen im Hafen ja mehr leiden als im
Segelbetrieb, entschlossen wir uns zum sofortigen Beginn der
Abtakelungsarbeiten, die nun in Ruhe und mit der nötigen Sorgfalt
durchgeführt werden konnten.“

In den ASV-Mitteilungen 64 wird mitgeteilt:

“ Den Mitteilungen 63 konnte ich gerade noch die Bekanntgabe der
Entscheidung des Herrn Kommandanten der Pommerschen Küsten anfügen, daß
seinerseits gegen das Segeln auf der Seewasserstraße keine Bedenken
bestehen, soweit die bestehenden Bestimmungen geachtet werden. Damit war
die Ungewißheit, ob im Kriegssommer 1940 überhaupt ein Segelbetrieb
eröffnet werden könne, beseitigt. Der Greifswalder Bodden, die Fahrt nach
Hiddensee bzw. in die Barther Bodden, der Weg durch die Peene ins Haff
und weiter in die Oder bzw. Divenow waren also für unsere Boote befahrbar
und damit ein Segelraum freigegeben, der nicht nur unseren Zwecken der
Ausbildung genügte, sondern auch den neuen studentischen Mitgliedern die
besonderen Schönheiten unseres Segelgebietes zeigen konnte. Nun gingen
wir sofort daran, die Boote klarzumachen mit Ausnahme von „Edith“ …“

Hier enden die Quellen des Chronisten. In den schweren Zeiten des Krieges
hatte man gewiß größere Sorgen, als ASV-Mitteilungen zu schreiben und zu
sammeln.

Abschließend möchte ich noch Dr. Hans-Joachim „Hanne“ Subklew posthum
danken, der die überwiegende Anzahl der vorhandenen Quellen
zusammengetragen hat und seiner Frau Helga Subklew, die uns die Quellen
großzügig zugänglich machte.

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